
Konzert
Ensemble Proton Bern — Ausschweifen
Dampfzentrale · Bern
- contemporary classical
- new music

Konzert
Musikalisch pendelt das Projekt #22 des Variaton Projektorchesters zwischen Frankreich des 20. Jahrhunderts und den USA der Neuzeit. Im Wechselspiel zwischen diesen beiden musikalischen Welten entwickelt sich eine einzigartige Dramaturgie, die schliesslich in Ravels «La Valse» mündet. In der ersten Programmhälfte werden Kompositionen von John Luther Adams und Debussy durch das Beleuchtungskonzept von Lichtdesignerin Mirjam Berger in Szene gesetzt. Durch ihre Lichtregie kommen das Orchester und die Eigenheiten eines sinfonisch besetzten Konzertes optimal zur Geltung. Nach der Pause wird die Video- und Projektionskünstlerin Sabine Burchard Werke von Messaien, John Adams und Ravel durch eine auf die Musik abgestimmte Lichtshow begleiten und das Publikum so in eine Welt voller Farben und Figuren entführen.
«Am arktischen Himmel erzeugen der flache Sonnenwinkel und die schweren Eiskristalle in der Luft oft lebhafte Halos, Bögen und Nebensonnen (Parhelia). Manchmal erwecken diese Phänomene den Eindruck, es gäbe mehrere Sonnen. «Sky With Four Suns» ist eine musikalische Beschwörung einer solchen Erscheinung, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.»
Die darauf folgenden «Six Épigraphes Antiques» von Claude Debussy waren im Jahr 1901 Teil der Begleitmusik für zwei Flöten, zwei Harfen und Celesta, die er für das Bühnenwerk «Les Chansons de Bilitis» komponiert hatte. Diese bestand aus zwölf «Tableaux vivants», kombiniert mit der Rezitation griechischer erotischer Gedichte aus dem gleichnamigen Band von Debussys engem Freund Pierre Louÿs, der 1894 veröffentlicht wurde. Debussy nahm sechs Sätze aus seiner Bühnenmusik von 1901 und schuf daraus eine Suite auch sechs kleinen Meisterwerken, die er 1914 für Klavier zu vier und zwei Händen transkribierte. Debussy arrangierte das Werk auch für Soloklavier und schrieb an seinen Verleger Durand, dass er auch eine Orchesterfassung derselben Stücke anfertigen wolle, doch er verstarb 1918 bevor er damit beginnen konnte. Die Suite wurde 1939 von Ernest Ansermet orchestriert, wobei eine stimmungsvolle Orchestrierung des Werks entstand, die er später mit seinem Orchestre de la Suisse Romandeaufnahm. Am Ende des ersten Teils erklingt «Sky With Endless Stars», der letzte Satz der «Canticles of the Sky» von John Luther Adams. Dieser Satz erinnert laut Komponist an die aussergewöhnliche Tiefe und Klarheit des Himmels über der Sonora-Wüste.
Die zweite Hälfte beginnt mit Messiaens «Un Sourire», gefolgt von John Adams «The Chairman Dances» und endet mit Ravels «La Valse». «Un Sourire» war Messiaens letztes Auftragswerk und sein Beitrag zu den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Mozarts im Jahr 1991. Messiaen erklärte, wie das Werk Mozart ehrte: «Trotz Trauerfällen, Leiden, Hunger, Kälte, Unverständnis und der Nähe des Todes lächelte Mozart immer noch, ebenso wie seine Musik. Deshalb habe ich mir in aller Bescheidenheit erlaubt, meine Hommage ‚Ein Lächeln‘ zu nennen». Bei den darauffolgenden «The Chairman Dances» von John Adams handelt es sich um ein Stück aus dem dritten Akt der Oper «Nixon in China», an der er damals arbeitete. Das Wort ‚dances‘ im Titel ist laut Komponist als Verb gedacht und nicht etwa als Substantiv, so tritt dieser ‚Vorsitzende‘ aktiv in die Handlung ein.
Enden wird der Konzertabend mit Ravels Tondichtung «La Valse». Es handelt sich bei dem Werk zwar um einen Walzer, ist aber weit entfernt von einem leicht beschwingten Tanz, da es der Komponist bereits unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb. Ravel nannte die Auftragskomposition ein «Poème choreographique» und hatte das Ballett dabei wohl fest im Blick. Der Auftraggeber Diaghilew lehnte das Stück jedoch sofort ab: Er fand, es sei keine wirkliche Ballettmusik, sondern mehr das ‚Porträt eines Balletts‘. «La Valse» wurde schliesslich im Dezember 1920 als reines Orchesterstück uraufgeführt. Ravel griff dabei auf Material zurück, das er seit 1906 gesammelt hatte und vermengte dabei das typisch Wienerische mit impressionistischen Rhythmen und Harmonien und einer meisterhaften Orchestrierung. Zusammen entstand ein äusserst destruktiver Walzer, der das Projektprogramm #22 beendet und gerne zu Denkanregungen nach dem Konzert führen darf.
Variaton ist ein unkonventionelles und experimentierfreudiges sinfonisches Orchester für junge Musikbegeisterte und setzt sich jährlich neu aus rund 80 Mitgliedern zusammen.
Einmal pro Jahr erarbeitet die im Jahr 2004 gegründete Berner Formation ein Konzertprojekt, wobei nebst der Pflege herkömmlicher Orchestermusik insbesondere die Realisierung von Projekten angestrebt wird, die sinfonische Musik mit anderen Stilen oder anderen Kunstformen verbinden.
So ist Variaton in den vergangenen Jahren unter anderem zusammen mit einem DJ, einem Jazz-Quintett, einer Raumgestalterin und einem Lichtkünstler, mit Tangosolisten, Cartoonisten, Modeschaffenden, Choreografen, Tänzerinnen und Tänzern, Filmemachern, einem Chor, einem Pantomimen sowie mit Büne Huber, dem Kaleidoscope String Quartett und Mitgliedern des Trios Koch-Schütz-Studer, Theodosii Spassov, den Kummerbuben, Lucas Niggli / Peter Conradin, Martin O und Moët Liechti aufgetreten. Im Vordergrund steht jeweils der Wunsch nach einer kreativen Begegnung mit Kulturschaffenden aus anderen Kunstwelten.
Künstlerische Leitung: Droujelub Yanakiew Lichtdesign & Projektion: Mirjam Berger & Sabine Burchard
Marzilistrasse 47, 3005 Bern, 3005 Bern
Die Dampfzentrale Bern ist ein Kulturzentrum und Restaurant direkt an der Aare, das ein vielfältiges Programm aus zeitgenössischem Tanz, Musik und Clubkultur bietet. Das Restaurant mit Garten serviert innovative, mediterrane Gerichte in einem industriellen Ambiente.

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